Ein bisschen was Neues von mir

Hallo alle zusammen!

Seit dem letzten Artikel ist ein bisschen was passiert und ich habe mir gestern Abend und heute Zeit genommen mal wieder einen längeren Beitrag zu verfassen. Ich bin nun seit ungefähr einem Monat hier und ich werde mal einen generellen Überblick geben wie es hier so abgeht und erzählen was in letzter Zeit so passiert ist. Vielleicht überschneidet sich das ein wenig mit den Sachen, die ich bereits geschrieben habe, aber dann gibt’s halt mehr zu lesen. Fotos werden die Tage wahrscheinlich auch noch kommen, also ein bisschen Geduld, dann gibt es noch mehr Futter für die Augen.

Nachdem wir nun einige Zeit zusammen gelebt und gearbeitet haben, verstehen wir Freiwilligen uns immer noch wunderbar uns es wird stets besser. Mit den Deutschen verfällt man immer wieder in die alte Gewohnheit mal eben deutsche Floskeln zu gebrauchen oder einfach mal so deutsch zu sprechen, weil man zu faul ist. Erfüllt zwar nicht den Zweck Englisch zu lernen, aber es ist halt einfacher. Auch wenn es schnell gehen muss beim Arbeiten oder so wird mal auf Deutsch zurückgegriffen. Dennoch versuchen wir untereinander so viel Englisch wie möglich zu sprechen. Die ersten paar Tage war es übrigens immer sehr komisch mit ihnen auf Englisch zu sprechen, weil man doch so viel einfacher kommunizieren könnte. Die Kiwis verstehe ich auch immer besser. Neue Vokabeln sind an der Tagesordnung, wollen aber nicht immer in meinem Hirn bleiben.

Die ersten Wochen hat das mit dem Aufräumen in unserer Wohnung noch ganz gut geklappt, doch so langsam lassen wir uns alle gehen und dementsprechend sieht es manchmal auch aus. Vom Boden kann man Essen, nicht weil er so sauber ist, sondern weil dort einfach genug ist und das Geschirr in der Spüle stapelt sich. Vielleicht greifen wir bald auf Singletipp Nummer 1 zurück: Eingefrorenes Geschirr schimmelt nicht! Naja, ein bisschen übertrieben, aber es könnte wirklich besser aussehen.

Ich hab mich auch daran gewöhnt, dass alles, was bis vor kurzem noch Standard war, hier nur eingeschränkt vorhanden ist. Da wir hier nur 8 Stunden Strom haben pro Tag plane ich alles was Strom benötigt vernünftig, damit zum Beispiel der Akku vom Laptop abends noch genug Power hat für einen Film oder um ein paar Mails zu schreiben. Filme gucken ist übrigens eine der Freizeitbeschäftigungen auf die ich hier mit am Meisten zurückgreife. Glücklicherweise haben viele der Leute eine ganz Sammlung an Filmen, die wir uns ausleihen können. Manche Abende enden daher mit einem gemütlichen Filmabend. Wie im Englischunterricht auf Englisch mit englischem Untertitel. Diesmal achte ich sogar drauf 

Internet ist die Sache auf die ich am schwersten verzichten kann. Die $50 pro Monat sind ziemlich schnell verbraucht. Die Nutzung beschränkt sich eigentlich nur auf Mails und meinen Blog. Wie gesagt, abends schreibe ich manchmal ein paar Mails. Alles was verschickt werden muss, wird vorgeschrieben, damit ich nur eine ganz kurze Zeit im Internet brauche. Klappt ganz gut, aber manchmal würde ich schon gerne einfach ein bisschen surfen. Mit der Zeit wird sich aber auch das legen.

Geld kann man hier nicht wirklich ausgeben, was natürlich den Vorteil hat, dass ich für den Reisemonat sparen kann oder mir bald eventuell einen Tauchkurs leiste. Im Shop von Orama haben wir Volunteers pro Monat $50 frei. Süßigkeiten, Getränke und Shampoo können wir von dem Geld kaufen. Damit kann man ganz gut auskommen, da das Essen immer gut und reichlich ist.

Die Isolation mit der ich gerechnet habe ist zwar wirklich vorhanden, aber so schlimm wie ich es mir vorgestellt habe, ist es nicht. Da wir 5 Freiwillige sind, die alle mehr oder weniger die gleichen Probleme und Wünsche haben, hat man immer jemanden mit dem man irgendwas machen kann, sei es Karten spielen, Wandern, Kajak fahren oder sonst irgendwas. Auch mit den anderen Leuten hier ist man immer in Kontakt. Meistens sind immer so 20 Leute da mit denen man sich unterhalten kann. Am Samstag wurden wir von einem Paar eingeladen mit ihnen den Abend zu verbringen. Im Vergleich zu dem, was in der Abizeit an den Samstagabenden gelaufen ist ein krasser Unterschied, aber auch nett.

Partymäßig ist hier bis jetzt noch rein gar nichts los. Damit werden wir wohl warten müssen, bis wir nach Auckland rüber gehen für ein paar Tage. Heute Abend ist allerdings im Boat Club irgendeine Sache. Ich hab nicht richtig durchgeblickt, was es genau ist, aber ich bin auf jeden Fall dabei. Was ich weiß: Es gibt ein Abendessen, eine Auktion, bei der man zum Beispiel einen Segeltrip ersteigern kann und ein Motto: The Sea! Da ich das allerdings erst gestern erfahren habe und auch nicht wirklich die Möglichkeit besteht kurzfristig etwas zu besorgen, hab ich am Anfang gedacht, das ich nichts habe zum Anziehen. (Ich rede wie meine Schwester ) Aber da ich ja ein schlauer Bursche bin, hab ich für solche Situationen mein Karnevals-Alfsee-letzte Reserve-Allzweckhemd eingepackt. Badehose und Strohhut dabei, fertig!

Kommen wir aber jetzt mal zu dem Teil weswegen ich eigentlich in Neuseeland bin, zur Arbeit:

Wir arbeiten jetzt endlich nach dem Raster, das für uns aufgestellt wurde. Jeder hat Woche für Woche seine Aufgaben, die er täglich oder wöchentlich erledigen muss. Nach jeder Woche rotieren wir, sodass man nur alle 5 Wochen wirklich die gleichen Aufgaben hat. 4 Wochen davon erledigt man alle möglichen Dinge, die sich um Orama drehen. (Gemüse schnibbeln, Frühstückspause vorbereiten, Abwasch, Wäsche waschen, Rasen mähen, Staubsaugen, Fenster putzen, Holz hacken, Betten machen, Müll wegbringen und zur Deponie fahren, Sachen von der Fähre holen, die Lebensmittel etc. bringt, …) Manchmal gehört auch Kochen dazu. Gestern zum Beispiel habe ich zusammen mit Jorge und Jannis, bewaffnet mit Mamas Rezept für Pizzabrötchen und meinem Lieblingssalat von Pizza Flizza, das Lunch zubereitet. (Erst beim Durchlesen ist mir aufgefallen, dass hier Mittagessen stehen sollte) Wenn alle Aufgaben für die Woche erledigt sind, fangen wir mit verschiedenen Projekten an. Diese Woche sind wir damit gestartet eines der Häuser umzubauen. Ein schöner Ausgleich zu den normalen Arbeiten. Wände müssen raus – hätte ich Frust, könnte ich ihn daran auslassen. Aus einem kleinen Wohnzimmer wird ein großes und aus dem Eingangsbereich mit Bett wird ein kleines Zimmer und ein Flur. Da macht es sich bezahlt, dass ich immer mal wieder so was in der Art am Wochenende und in den Ferien gemacht habe.

In der anderen Woche arbeitet man bei OPC mit. OPC ist die „Abenteuerorganisation“, die alles Mögliche an Zeug für die Gäste zu Verfügung stellt, wie Kajaks, Tauch- und Schnorchelausrüstung, Klettermaterial usw. . Bis jetzt habe ich noch nicht dort gearbeitet habe aber von Jannis und Jae gehört, dass es sich stark von den mehr oder weniger alltäglichen Dingen von Orama unterscheidet. Streichen, Boote putzen und Dinge (zum Beispiel Halterungen für Wetsuits) bauen steht dort an. Ist man in der OPC-Woche hat man zusätzlich das Vergnügen sich um den Generator kümmern zu dürfen. Man muss also dafür sorgen, dass die beiden Generatoren an und aus sind, wenn sie es sollen. Vergisst man etwas oder macht etwas falsch, hat das gesamte Camp keinen Strom. Heißt also: Morgens um 7:30 den großen Generator anschmeißen und den Timer auf 3 Stunden stellen. Um halb 5 nachmittags den großen wieder anschalten und nach 2-3 Stunden auf den kleinen umschalten, da um diese Zeit nicht mehr so viel Strom gebraucht wird. Außerdem muss man sich in dieser Woche um die Rattenfallen kümmern. Ein Bereich auf GBI ist durch einen Zaun abgetrennt. In diesem Bereich wird versucht alles Leben, was da nicht hingehört, zu eliminieren, also alle Tiere, die von Einsiedlern eingeschleppt wurden. Ratten, Katzen, vielleicht auch Elefanten sind nicht gern gesehen. Überall auf dem Areal sind daher Rattenfallen verteilt. Für einen Teil dieser Fallen sind wir verantwortlich. Die Aufgabe dabei ist es alle Fallen auf Ratten zu überprüfen, die Fallen mit neuem Köder, also Erdnussbutter und einer Nuss, zu bestücken und Rattenkarten hineinzulegen. Mit den Dingern kann man schauen, ob sich Ratten in der Falle aufgehalten haben. Sollte sich in einer Falle ein Prachtexemplar von Ratte befinden, müssen wir unsere Beute in einen BEUTEL (HAHA) stecken und ins Gefrierfach packen. Interessante Arbeit 😉

Die Gruppe für die wir letztens alles hergerichtet haben, die erste für uns Freiwilligen, war hier. Im Grunde hatte ich nicht viel mit ihnen zu tun, aber es war trotzdem nett, mal andere Gesichter um sich zu haben. Zwischendurch hat man sich mal mit ihnen unterhalten oder abends mit ihnen Tischtennis gespielt. Die hab ich übrigens aus irgendeiner Ecke hier im Camp hervorgekramt und wieder auf Vordermann gebracht, damit wir noch eine Möglichkeit haben unsere Freizeit bestmöglich zu verbringen. Mit den anderen Mitarbeitern und Leuten, die hier in Orama wohnen haben ich eine kleine Liga gestartet. Wir können unsere eigenen Ideen also super mit einbringen und sie werden auch akzeptiert.

Übrigens: Das Wetter ist sehr wechselhaft. An einem Tag schüttet es wie aus Eimern, am nächsten kann ich in T-Shirt und kurzer Hose direkt am Wasser liegen und die Sonne genießen. In diesen Momenten frage ich mich immer: Wenn das der Winter ist, wie soll dann der Sommer werden?

Wieder weg von der Arbeit und zurück zur freien Zeit:

Am Samstag waren wir wieder mit den Mädels beim Fußball, diesmal Training. Zuerst haben die Kleinen ein paar Übungen mit der Trainerin gemacht. Danach durften wir dann ran. Meine „erfolgreiche“ Fußballzeit ist zwar seit Jahren vorbei, aber ich kann mich noch an ein paar Übungen erinnern, die wir einfach mal ausprobiert haben. Scheint den Kids auch wohl gefallen zu haben, da wir wiederkommen sollen.

Vorgestern hat Jo uns, Jorge, Mo und mich mitgenommen in einem Boot. Wir fahren Skurfen. Das ist eine Mischung aus Surfen und Wasserski. Man steht, bzw. sollte auf einem Board stehen, das aussieht wie ein Surfbrett, und von einem Boot wie beim Wasserski gezogen wird. Das Aufstehen während der Fahrt hat allerdings nicht so gut geklappt, also sind wir einfach auf dem Dingen liegen geblieben und hatten vielleicht sogar mehr Spaß, als auf die richtige Weise. Dafür sah es nicht so elegant aus, Video folgt 😉 Nebenbei hat Jo uns gezeigt wie man das Boot fährt. Ich hoffe, dass wir bald auch alleine rausfahren dürfen, um ein paar Trips zu machen. Als wir dann alle durchgefroren waren, sind wir noch eine Runde Angeln gewesen. Mein erstes Mal, ich hab also keine Ahnung, aber ich glaube, die Sachen die wir innerhalb von 30 Minuten gefangen haben, waren größer als die Sachen, die man in Deutschland fangen kann. Unsere Ausbeute: 2 Tintenfische und ein Fisch. Für den Anfang gar nicht schlecht. Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass es mir Spaß macht, aber es war echt lustig und ich werde das auf jeden Fall wiederholen.

Zwischendurch haben wir immer mal ein paar Sachen, die uns gezeigt oder für die wir trainiert werden, um selbstständiger arbeiten und handeln zu können. Gestern hat uns Brian zum Beispiel gezeigt wie wir bei den richtigen Kajaks (bis jetzt sind wir nur mit so kleinen Teilen gepaddelt) wieder in den Sitz reinkommen, nachdem wir umgekippt sind. Da es heute ziemlich windig war, nicht ganz einfach. Wenn wir noch ein bisschen üben, können wir bald eine Wochenendtour machen. Zelt, Schlafsack und Campingkocher mitgenommen und auf in die Wildnis. Steht bei uns auf der To-Do-Liste ziemlich weit oben.

Ganz oben steht ein Trip nach Auckland. Der erste für uns in der Zeit auf GBI. Dort werde ich mir wohl mal ein Heft kaufen um Gitarre oder Klavier zu lernen. Instrumente haben wir hier und können wir auch benutzen. Nur spielen kann ich halt nicht. Außerdem habe ich hier die Möglichkeit neben Englisch auch noch andere Sprachen zu lernen, zumindest die Basics. Spanisch, da ich mit Jorge einen Muttersprachler hier habe und Afrikaans, da der Manager Hannes und seine Frau aus Südafrika kommen. Mal schauen zu was ich mich motivieren werde, um die Zeit hier optimal zu nutzen. Dass ich solche Möglichkeiten habe, konnte ja keiner ahnen. Daher werde ich versuchen irgendwas davon in die Tat umzusetzen. Explore every opportunity!

Wenn ich mir das alles mal durch den Kopf gehen lasse und das bisschen was ich von den anderen Projekte höre damit vergleiche habe ich echt ein hammer Projekt erwischt, vielleicht das beste?! Das Essen ist gut, die Leute nett, die Arbeit abwechslungsreich und die Freizeitmöglichkeiten der Wahnsinn. Manche bauen NUR Häuser, ein paar betreuen NUR Kinder, ich habe alles zusammen. Variation pur!

Das wars dann erstmal wieder von mir. Doch heute ist nicht alle Tage, ich schreibe wieder keine Frage…

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Eine Antwort zu Ein bisschen was Neues von mir

  1. Chrissof schreibt:

    Mein Projekt ist cooler 😛
    Aber dank dir weiß ich nun endlich, warum es „Beutelratten“ gibt.
    Schön, dass es euch da gefällt. Viele Grüsse an alle aus Culverden.

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