Die Reisezeit

Hallo meine treue und verehrte Leserschaft!

Ich bin angekommen in meinem neuen Projekt. Dazu später. Erstmal gibt es jetzt ein paar Zeilen und Fotos über die Zeit vom 16. Dezember bis Ende Januar. Ich war nämlich über einen Monat lang auf Achse und habe viel erlebt: Atemberaubende Aussichten, nette Leute kennen gelernt, aufregende Aktionen und einmalige Erfahrungen. Es ist zu viel passiert, um über alles berichten zu können. Es ist kein Tag vergangen über den ich nicht stundenlang erzählen könnte. Ich versuche mich aber kurz zu halten und das wichtigste einzubringen.

Wíe bereits in meinem kurzen Bericht während der Reisezeit gesagt, verabschiedete mich Great Barrier Island am 16. Dezember mit Tränen.

Mein erstes Ziel sollte Cape Reinga sein, der nordwestlichste Punkt der Nordinsel. Ich habe vorher oft gehört, das dieser Ort was magisches haben soll und man sich fühlt wie am Ende der Welt: Vor sich nur Wasser und hinter einem der Rest des Welt. Pustekuchen, nichts dergleichen. Es war verdammt nebelig und das einzige was ich sehen konnte, waren die ganzen Touristen um den Leuchtturm herum.

Die Tour im Northland führte mich auch zum Touristenziel Ninety Mile Beach. Der ist eigentlich keine 90 Meilen lang, dafür aber im Straßennetz von Neuseeland eingezeichnet. Höchstgeschwindigkeit 100 Stundenkilometer. Nachdem ich dann auf einem etwas zu klein geratenem Surfboard eine 80 Meter hohe Sanddüne runtergerast bin und der Touribus am Strand hielt zum Muscheln sammeln, wurde mir plötzlich klar, was Great Barrier Island so besonders macht. An diesem kleinen Strandabschnitt waren um die 100 Touristen. Nach meiner Zeit auf der Insel habe ich mich echt verloren gefühlt in dieser großen Menschenmasse und nach den endlosen Stränden ohne eine Menschenseele zurückgesehnt.

Nach einer Jetboottour, bei der ich mit knapp 80 Sachen über die raue See gepeitscht bin, war meine Northlandtour vorbei und ich wurde von Thomas, meinem Reisekameraden für die nächste Zeit; aufgegabelt. Nun waren wir also zu dritt: Thomas, Ich und das Auto! Ein tolles Team!

Ein kurzer Abstecher nach Coromandel, wo wir die üblichen Touristenziele Cathedral Cove und Hot Water Beach abgeklappert haben, stand auf dem Programm, bevor es dann nach Tauranga ging.

Cathedral Cove

Ein paar Tage haben wir dann dort verbracht und uns auf die bevorstehnde Zeit vorbereitet. Essen eingekauft, Sachen gepackt und das Auto beladen.

Und plötzlich stand Weihnachten vor der Tür. Kein Schnee und kein Weihnachtsbaum, ganz im Gegenteil. Die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite und statt den Christbaum zu schmücken konnte ich am Strand liegen. Heiligabend verbrachte ich in Gisborne mit anderen ICYE-Freiwilligen und Leuten, die ich bis dahin noch nicht kannte. Es war definitiv ein anderes Fest und nichts im Vergleich zum heimischen, aber dennoch es ein netter Abend.

Den nächsten Tag hatten Thomas und ich uns in Wellington bei Brian einquartiert per couchsurfing. Couchsurfing ist ne super Sache. Eine Internetcommunity in der man nach Leuten suchen kann, die einen Platz zum Schlafen zur Verfügung stellen können. Im Gegenzug können andere auch bei einem übernachten. Eine tolle Gelegenheit also, um neue Leute kennen zu lernen, fern vom Tourileben in den Alltag von Kiwis zu schauen und natürlich auch: Geld zu sparen. Diese Idee hatten aber nicht nur wir und da Brian einer der gastfreundlichsten Menschen ist, den ich je getroffen habe, hatte er nicht nur Thomas und mich an diesem Feiertag eingeladen, sondern noch vier weitere Deutsche, einen Belgier und eine Tschechin. Es war also ein internationaler Weihnachtstag. (Und wie klein Neuseeland dann doch ist: Den Belgier und die Tschechin seh ich momentan immer in der Innenstadt als Straßenmusikanten…)

Am nächsten Tag setzte ich dann das erste mal einen Fuß auf die Südinsel Neuseelands. Hier begann der Abenteuertip dann eigentlich erst richtig. Das Auto und das Zelt wurden zur Unterkunft der nächsten Wochen und den Herd tauschten wir gegen einen kleinen Gaskocher. Die Karre wurde umfunktioniert zu vielen Sachen: Bett, Schrank, Esszimmer, Wohnzimmer, Abstellkammer… Die erste Nacht im Auto war ziemlich unbequem, aber nachdem ich erstmal den Dreh raushatte, wie man sich wo hinlegt…nicht ganz schlecht.

Unter anderem bei einer Wanderung im Abel Tasman National Park und auch in Kaikoura habe ich das erste Mal in meinem Leben Seelöwen in freier Wildbahn gesehen. Nach dem Schwimmen mit Delfinen auf Great Barrier Island war das wieder ein feines Erlebnis.

Da das Wetter immer noch mies war, wurden wir dann mit diesem Bild konfrontiert…

…nach heftigen Regenfällen hat es einfach mal eben die Straße weggespült. Und das sollte für die Tour nicht das letzte mal gewesen sein, dass ich mit so einem Wetter beglückt wurde. Ein weiteres Mal kamen die Scheibenwischer nicht mehr gegen den Regen an. Es hat gegossen wie nie und die Einsatzkräfte waren im Dauereinsatz.

Trotzdem will ich mich über das Wetter nicht beklagen, denn da hatte ich echt Glück. Für all meine Aktivitäten hatte ich immer astreines Wetter, außer für die Raftingtour, aber da wurde ich eh nass. Und Sonnenuntergänge waren auch wunderschöne dabei.

Silvester habe ich in Christchurch verbracht, der Stadt in der ich jetzt das nächste halbe Jahr verbringe. Auf dem Cathedral Square, quasi dem Mittelpunkt der Stadt, gab es ein großes Konzert mit drei klasse Bands. Das Feuerwerk fand ich für eine große Stadt wie Christchurch zwar eher mager, aber dennoch war es eine gelungene Nacht, die 2011 einläutete. Übrigens habe ich eine SMS in das letzte Jahrzehnt verschickt. Zurück in die Zukunft…oder so!

Den Highway runter passierten Thomas und ich Dunedin und Invercargill um dann am südlichsten Punkt der Südinsel zu landen – Bluff. Südlicher liegt nur noch Stewart Island, Neuseelands drittgrößte Insel. Danach kommt schon Great Barrier 😉

Auf dem Weg sind wir immer mal wieder angehalten um die genialen Aussichten zu genießen oder einfach am Strand/See zu relaxxen.

Auch mein Geburtstag war im Reisemonat. Ja, 20 bin ich nun. Die 1 vorne ist weg und ich gehe auf die dreißig zu 😉 Danke für die Glückwünsche an dieser Stelle 🙂

Als Geschenk habe ich mir selber eine Tour auf dem Doubtfulsound gegönnt. Es hat mich ein wenig an den Urlaub in Norwegen erinnert.

Dann kam die wohl beste Aktion der ganzen Zeit Fallschirmspringen. Es war der absolute Wahnsinn. Seit langem wollte ich das schon gemacht haben und nun war die Zeit gekommen. Die Vorfreude war groß und die Aufregung überaschenderweise nicht vorhanden. Da saß ich nun also im Flugzeug auf dem Weg nach oben. Der Blick aus dem Fenster war atemberaubend. Lake Wanaka war zu sehen und im Hintergrund die mit Schnee bedeckten Berge, bei purem Sonnenschein. Dann gings auch ganz fix. Ich wurde an meinen Sprungpartner Sepp (Name von Redaktion geändert, leider vergessen :))geschnallt, Maske auf, Mütze auf, Luke öffnen…da ist es wieder das Gefühl. Nur beim Schreiben kommt das Kribbeln im Bauch schon wieder. UND AB DAFÜR!

Mit 200 Sachen der Erde entgegen. Was habe ich da gedacht? Keine Ahnung! Es war einfach nur geil. Es kam mir nicht so vor als ob ich der Erdoberfläche entgegen rase, sondern eher als ob ich in ein Gemälde springe. In den ersten Augenblicken war ich einfach überwältigt von dem genialen Gefühl und erst nach ein paar Sekunden konnte ich den Ausblick diesmal ohne Sitz unterm Hintern und einem dreckigen Fenster vor den Augen genießen. Ich hätte ewig fallen können doch … ZUUUM – die Leine wurde gezogen und der Fallschirm öffnete sich. Mit ein paar Drehungen und Kurven lenkte mich Sepp sicher dem Erdboden entgegen. Ein geiles Erlebnis und ich hoffe es war nicht das letzte mal, dass ich mich aus einem Flugzeug gestürzt habe!

Die letzte größere Aktion war dann die Gletschertour auf dem Fox Glacier. Eine 6 Stunden Wanderung auf Eis. Mal etwas komplett anderes. Bei knallender Sonne auf kaltem Eis laufen. Komisch, aber tiptop!

Auf dem Weg zurück auf die Nordinsel zum Mid Year Camp haben wir natürlich auch die meisten Touristenstellen mitgenommen. Pancake Rocks, Boulders,…

Auch Kultur durfte nicht fehlen. Viele der Museen in Christchurch, Wellington und Co. wurden daher auch abgeklappert. Und auch das neuseeländische Parlamentsgebäude bestaunte ich von außen und innen.

Eines der ersten Sachen, wenn man an Neuseeland denkt: Herr der Ringe. Ein paar der Schauplätze habe ich auch unter die Lupe genommen. Unter anderem war ich im Hobbitdorf. Fotos darf ich leider keine online stellen, aber es war schon echt beeindruckend. Das Hobbitdorf war aber der einzige Platz, wo man erkennen kann, dass dieser Ort wirklich im Film gezeigt wird. Die anderen sind so krass animiert, dass man es kaum glauben kann.

Auch allerlei anderer kleiner Aktionen und Attraktionen haben die Zeit zu einem wunderbaren Erlebnis gemacht: Surfen in Tauranga, Puzzling World, Speights-Brauereitour, Hochseilgarten, Casino, steilste Straße der Welt, Schokoladenfabriktour, und und und…

Auf der Nordinsel war ich dann kurz beim Mid Year Camp und bin dann auch schon wieder mit Jae, Nathan, HC, Jannis und Mo in 2 Autos Richtung Südinsel gefahren, eine Nacht in Wellington bei Brian verbracht, mit der Fähre übergesetzt und dann nach Christchurch zu unseren neuen Projekten gejuckelt.

Es war eine ereignisreiche Zeit. Um die 7500km bin ich in den paar Wochen durch Neuseeland gereist. Dabei fuhr ich auch durch Orte mit wohlklingenden Namen wie zum Beispiel Tutukaka, Katikati oder auch Bethlehem. Ich kenne Neuseeland jetzt vermutlich besser als Deutschland, bin aber froh endlich den Autositz gegen ein Zimmer eingetauscht zu haben. Reisen ist und bleibt anstrengend.

Mit diesen Leuten war ich die meiste Zeit unterwegs. Von links nach rechts: Mo, Jannis, Ich, Thomas.

Ein fettes Dankeschön an die coole Zeit. Auch an Yannick und Andy und alle, die meine Reisezeit zu dem gemacht haben, was es war: Fantastisch!

Auf bald, bis Wiedersehen!

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Die Reisezeit

  1. Agnes schreibt:

    Ja junger Mann,
    schon alles cool was du da so erleben durftest.
    Deine Berichte lesen sich wirklich gut und ich gebe zu, ein klein bischen Neid kommt denn doch schon so hochgekrabbelt. – Egal, ich habe auch hier meinen Spaß.
    Jedenfalls wünsche ich dir selbigen und weiterhin gutes Gelingen.
    HDL

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s